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Das Waldviertel Eine aktuelle und besonders schöne Beschreibung dieses Landstrichs finden Sie hier: Daniel Glattauer: "Der einzige Zugang ist Zeit", DerStandard, 2000 (Word-Dokument)
Franz Eppel schreibt in seinem berühmten Buch "Das Waldviertel" von 1964: "Noch ist es ein vergessenes Land, das Waldviertel. Fern vom Großstadtlärm und Massenbetrieb, von hektischer Übereile und aufdringlicher Reklame hat es die alte Größe und Stille bewahrt. Es ist urtümlich geblieben wie kein anderes Gebiet in Niederösterreich. Daraus kann der suchende Mensch von heute ungeahnten inneren Gewinn, Ruhe und Erholung schöpfen. Dieser Mensch sollte das Waldviertel entdecken. Wer aus der Wachau eine der steil gewundenen Strassen nordwärts hinauffährt, kommt unglaublich rasch in eine andere Klimazone; wenn in Weisskirchen die Marillen schon verblüht sind, tragen die Bäume in St. Johann noch keine Knospen. Pögstall wird hingegen auch "Meran des Waldviertels" genannt. Überraschend ist die Niederschlagsarmut des Waldviertels: hier herrscht ein kühles, trockenes, überaus gesundes Klima. Die Vegetation des Gebietes ist eigenartig. Sie ist nicht freigiebig an Wachstum; Obst gedeiht nur wenig, der Wein nur im unteren Kamptal. Auf der Geländestufe von Göpfritz, bei Gföhl und Ottenschlag stehen erste Birken zu stimmungsvollen Gruppen beisammen, Heidekraut ist charakteristisch. Weit aber erstreckt sich der Wald - überwiegend Nadelwald, der dem Viertel ober dem Mannhartsberge den Namen gegeben hat: Nordwald oder silva nortica heißt das Gebiet schon seit dem 11. Jahrhundert. Dieser Wald gibt der Landschaft das Profil. Einen heiteren Charakter haben die in den letzten Jahren zu technischem Nutzen künstlich angelegten, großen, und infolge der Bodenformation romantisch-vielgestaltigen Stauseen am oberen Kamp. Unweit davon liegt die seinerseits von Menschenhand gespenstisch verwüstete Öde des Truppenübungsplatzes Döllersheim. Hier sind sogar die Ruinen einst blühender Dörfer kaum mehr zu finden, die Natur hat Jahrhunderte alte Spuren des Menschen in wenigen Jahren wieder mit ihrem Gestrüpp überwuchert. In das Pflanzenwachstum bricht der Waldviertler Granit ein, der in monumentalen flachen Kuppen aus dem Acker oder aus dem Waldboden drängt oder in rundlich abgeschliffenen Riesenknollen auf der Erde liegt - oft mitten im Acker - sodass der Bauer seinen Pflug mühsam herumführen muss. Oder auch mitten im Walde, wo den Stein ein düsterer Baumbewuchs bizarr bekrönt. Diese Landschaft ist sonderbar, manchmal unheimlich, jedenfalls aber märchenhaft; eine echte Sagenlandschaft; im Winter düster drohend, voll Spuk und Geraune, im Sommer kulissenhaft aufgelockert und lieblich gruppiert. Immer aber ist dieses Land still und einsam.
Wie nirgends sonst können dort Sagen entstehen, dort glaubt man sie.
Viele dieser Sagen sind uralt, viele knüpfen an uralte Dinge, deren
es hier noch allerlei gibt. Im Lande ragen über 300 Schlösser,
Burgen und Ruinen, um sie alle kreist die Phantasie; manche Ruinenreste
liegen in finsterem Dickicht wie Knochen eines Riesen, den der Nordwald
verzehrt hat." |
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